Hallo meine Lieben!
Ich bin zurueck vom Ende der Strasse. Die letzten Wochen war ich in Tulsipur (Dang District) einer kleinen Stadt im Suedwesten des Landes. Berge gab es da zwar nicht, jedoch hatten wir immer zwischen 25 und 30 Grad und das war recht angenehm. Kyra und ich waren gemeinsam mit Durgar, der die CP (cerebral palsy) Kinder rund um Tulsipur betreut, in den Doerfern unterwegs und haben die Kinder mit ihren Familien besucht.
Wir waren im "besten" Hotel der Stadt untergebracht und hatten sogar unseren eigenen Butler- oder so was aehnliches :-) Der Junge war die ganze Zeit, wenn wir im Hotel waren um uns herum. Er wollte alles moegliche von uns wissen und hatuns auch alles moegliche versucht zu erzaehlen. Wir haben zwar nur maximal ein Drittel verstanden, aber es war trotzdem witztig :-)
Dass er uns am Anfang jeden Tag noch vor 1/2 7 Uhr aufgeweckt hat und gefragt hat ob wir das fruehstueck bestellen wollen, fanden wir meist nicht so witztig. Nach 3 Tagen hatten wir es dan endlich abgestellt :-)
Die Vorzuege unseres Hotels: Wir hatten fast immer fliessend Wasser, auf Bestellung sogar eine heisse Dusche (der Wasserhahn war zwar nur in der Hoehe von 1m) und das Hotel hatte sein eigenes Stromaggregat. Das war echt total angenehm! Jeden Tag am Abend war fuer 1-?h der Strom weg. Wir hatten das Gefuehl, dass die Einheimischen jedesmal aufs Neue ueberrascht darueber waren und sich erst im Dunkeln auf die Suche nach Kerzen machten.
Unser Tag hat meistens mit den "Englisch Unterricht" fuer die Mitglieder der Sewa-Foundation begonnen. Die SEWA-Foundation ist eine NGO(non-goverment Organisation) die Durgars Arbeit unterstuetzt.
Der Unterricht war echt total witztig. Ich haette nie gedacht, dass ich mal Englisch unterrichte!
Die Aussprache der Nepalesen ist zwar sehr gewoehnungsbeduerftig, aber nach einiger Zeit hat man sich daran gewoehnt. Man faengt dann sogar an die Woerter wie sie auszusprechen, weil einem sonst keiner versteht. Aus "bread" wird "prett", aus "father" wird "pather" u.s.w. Wir haben vergeblich versucht ihnen das "f" beizubringen *g*
Alle sind total gierig englisch zu sprechen, da sie sonst nicht die Gelegenheit dazu haben.
Nach ca 1-2h Unterricht (je nachdem wann unsere "Schueler" auftauchten) sind wir dann mit Durgar zu unseren Kindern augebrochen. Wenn die Reise nach Osten ging konnten wir mit dem Bus fahren (End of the road). Wenn unsere Fahrt nach Westen ging waren wir mit den Jeep auf Schotterpisten unterwegs. Ihr werdet nicht glauben wieviel Leute in bzw. auf einem Jeep Platz haben! (Foto kommen in den naechsten Tagen) Wir waren immer wie die Banditen unterwegs wegen dem Staub :-) In alle anderen Richtungen waren wir zu Fuss unterwegs.
In den Doerfen bei den Kindern sind dann meinst alle Verwandten und Nachbarn zusammen gekommen. Sie haben uns und vorallem Durgar ausgequetscht, woher wir kommen, wohin wir gehen, was wir machen u.s.w.
Die Kindern und auch die Erwachsenen waren am Anfang meinst scheu und distanziert. Mit ein bisschen Nepali und den Ballons war das Eis meist sehr schnell gebrochen.
Ich hatte das Gefuehl, dass die Leute im Westen zu Beginn etwas skeptischer sind als in den Bergen waehrend meines Treks. Aber ich glaube, dass ist deshalb, weil sie keine Touristen gewoehnt sind und die einzigen Westler die sie sehen sind Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. In den letzten Jahren haben sich viele Hilfsorganisation aus diesem Gebiet zurueckgezogen, da es wegen der politischen Situation zu gefaehrliche war. Der Westen gilt als Hochburg der Maoisten und es hat in den letzten Jahren viele Zwischenfaelle gegeben. Haeuser wurden angezuendet und Leute wurde schlechtes getan. Zur Zeit ist es jedoch stabil. Eigentlich haetten Ende November Wahlen stattfinden sollen, jedoch wurden sie auf unbestimmte Zeit verschoben. Wenn man Nepalesen darueber befragt, wie es ihrer Meinung nach weiter geht, ziehen sie beide Schulter hoch und sagen "ka garne!" - "Keine Ahnung- kann eh nix aendern, mach ich mir keine Sorgen und das Leben geht weiter"
Die Leute leben ihr Leben und machen das Beste daraus und beklagen sich nicht und sind zum groessten Teil gluecklich.
Die Arbeit mit den Kindern war die meiste Zeit sehr motivierend. Es war total schoen zu hoeren, wie sich die Kinder entwickeln. Durgar war immer ganz stolz wenn er uns erzaehlen konnte, was sich in den letzten jahren seid er das Kind betreut veraendert hat. Der groesste Teil der Arbeit ist den Eltern klar zu machen, dass eine Medizin gibt, die ihre Kinder "normal" macht und sie dazu zu motivieren mehr Zeit mit dem Kind zu verbringen. Wir haben den Eltern dann gezeigt wie sie das Kind am Besten foerdern koennen, wie sie mit ihm spielen sollen und wie sie es zur Bewegung motivieren koennen. Die meisten Eltern waren sehr dankbar fuer unsere Anregungen und Ratschlaege. Es war echt lustig mit die Kinder, die Geschwister, den Nachbarskindern und den Eltern gemeinsam zu spielen. Ich hab dann auch des oefteren meine Fotos von zuhause hergezeigt und alle waren begeistert. Bei den Eltern, die viel Zeit mit ihrem Kind verbrachten und wo es trotz seiner Behinderung ein Teil derFamilie war, hatte ich ein total gutes Gefuehl.
Leider gab es auch einige weniger motivierende wenn nicht sogar deprimierende Momente. Wir haben einige Kinder besucht, wo es den Eltern ziemlich egal ist, was aus ihrem behinderten Kind wird. Man hatte manchmal leider das Gefuehl, dass sie nur auf den Tod dieses Kindes warteten. Diese Kinder wurden meinst den ganze Zeit alleine im Haus liegen gelassen und niemand kuemmerte sich um sie. Der schlimmste Fall war ein 6-jaehriges Maedchen. Es war geistig und koerperlich schwer behindert. Aufgrund der schlechten Ernaehrung haette man es auch fuer ein 1 1/2! jaehriges Kind halten koennen. Wir haben ihnen gesagt, dass es gut waere das Kind mit vor das Haus zu nehmen, damit es die Sonne spueren kann und mehr Geraeusche hoeren kann. Vor dem Haus waren dann nicht mehr wir Weisse der Mittelpunkt sondern das Kind. Niemand rund herum hat gewusst, dass in der Huette daneben noch ein weiters Kind lebt.
Ein weitere Punkt der mich sehr nachdenklich gemacht hat, ist die schulische Situation. Ein grosser Teil der Kinder auf dem Land geht nicht zur Schule. Es gibt Governmentschulen, die fuer alle zuganglich sind. Jedoch sind dort zwischen 100 und 120 Schueler in einer Klasse und wenn der Lehrer fehlt, dann ist kein Unterricht und dass kommt haeufig vor. Es gibt dann noch viele private Schulen. Dort sind "nur" 50 Schueler pro Klasse und die Kinder lernen mehr, jedoch sind diese Schulen fuer den Grossteil der Bevoelkerung nicht erschwinglich.
Ich hab versucht in vielen Gespreaechen mit Durgar herauszufinden, warum die Kinder nicht in die Schule gehen. Ein Grund ist dass die Kinder aus Arbeitskraefte im Haus gebraucht werden. Jedoch zum groesseren Teil wird es den Kindern ueberlassen, ob sie in die Schule gehen wollen oder lieber zuhause mit ihren Geschwistern und Nachbarskindern (die auch nicht in die Schule gehen) spielen wollen. Die meisten Leute am Land haben nie eine Schule besucht und koennen weder lesen und schreiben und sehen nicht die Notwendigkeit ihre Kinder in die Schule zu schicken.
Mein Aufenthalt in Tulsipur und meine Arbeit dort mit Durgar und Kyra war total super. Kyra und ich haben uns die ganze Zeit wie auf dem "Roten Teppich"gefuehlt. Jeder war neugierig woher wir sind und was wir machen und haben uns im Hotel besucht um mit uns zu quatschen usw. Alle waren total freundlich und hilfsbereit. Auch wenn man grad keine Hilfe braucht :-) Jeder von uns hat ca 40 Visitenkarten bekommen, wo wir uns melden koennen, wenn wir Hilfe brauchen oder Fragen haben. Wir wurden ein bisschen wie Beruehmtheiten verhaetschelt und herumgereicht. Eine total witzige und lustige Erfahrung.
Voll lustig war es auch immer wenn wir unser Abendessen irgendwo in den kleinen "Strassencafe" im Kerzenlicht eingenommen haben. Es wurde dann meist ein Nachbar oder Kind geholt, das ein paar Brocken englisch spricht. Essen bestellen koennen wir mittlerweile ziemlich gut :-)
So jetzt reicht's fuer heute. Es gaebe ja noch soooo viel zu erzaehlen. Keine Angst- ein anderes Mal *g*
An allen die sich den ganzen Text angetan haben. Ich bin stolz auf euch :-)

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